Die erste eigene Wohnung: Checkliste und Tipps

29. Dezember 2017

Irgendwann kommt für jeden jungen Menschen der Zeitpunkt, wenn der Ruf nach Freiheit lauter wird, Hotel Mama seine Bequemlichkeit verliert und die eigene Unabhängigkeit im Mittelpunkt steht. Die erste eigene Wohnung ist der Weg dahin. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn dieser Weg kann ganz schön holprig sein. Wie und worauf sollte man sich vorbereiten, bevor der erste Schritt gemacht wird? Welche Verantwortungen bringen die eigenen vier Wände mit sich? Mit unseren Tipps für die erste eigene Wohnung kommst du sicher im neuen Zuhause an.


Inhaltsverzeichnis

1 - Wohnung oder WG?
2 - Finanzierung
3 - Versicherungen
4 - Plichten als Mieter
5 - Vor dem 1. Mietvertrag
6 - Tipps für die ersten Tage
7 - Checkliste


1. Eigene Wohnung oder WG?

Bevor man sich auf die Suche nach einer Wohnung macht, sollte man sich im Klaren sein, welche Form des Wohnens man bevorzugt. Ganz allein in einer kleinen Wohnung, in der man quasi machen kann was man will? Oder doch lieber geräumig und unter Menschen, aber mit Einschränkung der Unabhängigkeit?

1.1 Eigene Wohnung

Bei der ersten eigenen Wohnung sollte man sich klar sein, dass sie höchstwahrscheinlich nicht das Zuhause fürs Leben wird und auch nicht unbedingt die Traumwohnung, die man sich immer gewünscht hat. Über Prioritäten und Ansprüche sollte man sich vorher genau im Klaren sein, wobei folgende Punkte am wichtigsten sind:

  • Ist die Wohnung für meine Bedürfnisse groß genug und bekomme ich alles unter?
  • Ist die Wohnung zu groß und macht mir damit nur unnötig Arbeit?
  • Bin ich in guter Lage mit Anbindungen zu Universität oder Arbeitsplatz?
  • Identifiziere ich mich mit den Bewohnern und der Nachbarschaft?
  • Und am wichtigsten: kann ich mir die Wohnung leisten?

1.2 Wohngemeinschaft

Das Leben in einer gut organisierten Wohngemeinschaft bringt viele Vorzüge mit sich. So ist man vor allem nicht allein und hat schnell neue Kontakte gemacht, was vor allem bei einem Umzug in eine fremde Stadt hilfreich sein kann. Um Hausarbeit und Einkäufe muss man sich zudem auch nicht alleine kümmern. Trotzdem ist dieses Lebensmodell nichts für jeden und man sollte sich im Vornherein über Folgendes sicher sein:

  • Ist die Wohnung für die Anzahl der Bewohner groß genug?
  • Ist die Miete fair unter den Mitbewohnern aufgeteilt?
  • Verfüge ich über ausreichend Privatsphäre?
  • Ist das WG-Leben organisiert?
  • Verstehe ich mich mit den Mitbewohnern?

Vor dem Einzug in eine WG sollten die Mitbewohner kennengelernt und über das Zusammenleben befragt werden. Bei den meisten WGs sind Bewerbercastings üblich, um die wichtigsten Dinge zu klären.

2. Finanzierung

Eine eigene Wohnung bringt viele Kosten mit sich. Dabei ist nicht nur die Miete selbst zu beachten, sondern auch Nebenkosten, Lebenshaltungskosten und die Umzugskosten. Auch der Vermieter will sich vorher ein Bild über Ihre Finanzen machen, bevor er eine Zusage erteilt.

2.1 Was Du wissen solltest

Bevor man sich auf die Suche nach einer ersten eigenen Wohnung macht, sollte das Finanzielle geregelt sein. Zum einen geht es dabei um die Kaltmiete und Nebenkosten, wozu zum Beispiel Kosten wie Heizung, Wasser, Hausreinigung und Müllabfuhr gehören. Hinzu kommen noch die Kaution, welche üblicherweise drei Nettokaltmieten beträgt, Umzugskosten, Versicherungen, Verträge und Möbel. Ist das Geld nicht im Überfluss vorhanden, lohnt sich eventuell ein Kredit. Vorher sollte man sich jedoch genau über das Thema Kredit informieren und Angebote miteinander vergleichen.

2.2 Was der Vermieter wissen will

Der Vermieter will sich im Vornherein vor allem darüber absichern, ob ein Mieter seine Miete pünktlich zahlen kann. Vor oder während der Wohnungsbesichtigung muss dafür oft ein Fragebogen zu Arbeits- und Einkommensverhältnissen ausgefüllt werden, die sogenannte Mieterselbstauskunft, die mit Nachweisen belegt werden muss. Reicht das eigene Einkommen nicht aus, können Eltern mit einer Mietbürgschaft aushelfen.

3. Versicherungen

Folgende Versicherungen sind zwar nicht Pflicht, sichern dich aber gegen Notfälle ab, die im schlimmsten Fall viel Geld kosten könnten. Von daher ist es empfehlenswert, die folgenden Versicherungen abzuschließen.

3.1 Hausratversicherung

Auch wenn der Hausrat in der ersten eigenen Wohnung noch überschaubar ist, empfiehlt sich das Abschließen einer Hausratversicherung. Diese sichert neben Möbeln und Kleidung u.a. auch Elektrogeräte und Fahrräder ab. Vorher sollte aber geprüft werden, ob der Hausrat nicht bereits über die Eltern mitversichert ist. Da sich die Tarife der Hausratversicherung in der Regel an der Wohnfläche orientieren, sind die Kosten dafür meist nicht so hoch.

3.2 Haftpflichtversicherung

Diese Versicherung deckt Schäden ab, die an Dritten verursacht wurden. Es kann sich dabei um Sach-, Personen- oder Vermögensschäden handeln. Wie die Hausratversicherung handelt es sich auch hierbei nicht um eine Pflichtversicherung. Dennoch kann sie sich als hilfreich erweisen, wenn z.B. beim Umzug Schäden im Hausflur entstehen oder durch eigene Arbeit irreparable Schäden in der Wohnung verursacht werden.

4. Pflichten als Mieter

Abgesehen von mehr Unabhängigkeit und der gewonnen Freiheit bringt die eigene Wohnung auch viel Verantwortung mit sich. Folgende Pflichten sollten dabei besonders beachtet werden.

4.1 Miete pünktlich zahlen

Zur pünktlichen Zahlung der Miete ist man vertraglich verpflichtet. Meist muss diese im Voraus zum dritten Werktag des Monats gezahlt werden. Der Vermieter hat bei zweimonatigem Mietrückstand das Recht zu kündigen. Es empfiehlt sich daher, einen Dauerauftrag einzurichten, um dieses Problem im Vornherein zu vermeiden.

4.2 Mietkaution hinterlegen

In der Regel muss eine Mietkaution in Höhe von drei Nettokaltmieten hinterlegt werden. Diese muss nicht immer sofort vollständig hinterlegt werden, sondern kann auch über die ersten drei Mietmonate verteilt gezahlt werden. Alternativ kann auch eine Mietkautionsbürgschaft hinterlegt werden.

4.3 Mängel rechtzeitig melden

Sollten Mängel entstehen oder stellen Sie Mängel in der Wohnung fest, müssen diese unverzüglich dem Vermieter gemeldet werden. Im schlimmsten Fall kann der Vermieter Sie zur Kostenüberahme auffordern, solltest du Mängel nicht gemeldet haben.

4.4 Heizen

Als Mieter ist man verantwortlich, dass die Wohnung ausreichend beheizt wird. Sollte durch spärliche Nutzung der Heizung Schimmel entstehen oder Rohre im Winter einfrieren, muss der Mieter die Kosten zur Schadensbehebung tragen. Spare hier nicht an der falschen Stelle!

4.5 Hausordnung beachten

Jedes Haus hat eine eigene Hausordnung. Oft wird diese im Hausflur ausgehangen. Diese muss beachtet werden und Verstöße dagegen können zu einer Kündigung führen.

4.6 Untervermietung absprechen

Solltest du darüber nachdenken, deine Wohnung unterzuvermieten, zum Beispiel während eines Auslandssemesters oder Besuchs in der Heimat, muss der Vermieter um Erlaubnis gefragt werden. Hier erfährst du, was du bei einer Untermiete beachten solltest.

4.7 Kündigungsfristen einhalten

Falls nicht anders im Mietvertrag vereinbart, gilt die gesetzliche Kündigungsfrist. Wer weniger als fünf Jahre in einer Wohnung lebt, muss spätestens drei Monate im Voraus kündigen.

5. Bevor du den Mietvertrag unterschreibst

Ist die erste eigene Wohnung gefunden und hast du eine Zusage erhalten, kann vor lauter Freude schnell vergessen werden, den Vertrag gründlich zu lesen. Prüfe alle Angaben genau und achte dabei vor allem auf folgende Punkte:

  • Entsprechen Miete und Nebenkosten den vorher gemachten Angaben?
  • Sind zusätzliche Räume oder Bestandteile wie Keller und Einbauküche vorhanden und betriebsfähig?
  • Ist die Angabe der Wohnfläche korrekt? Das ist vor allem bei einer späteren Mieterhöhung wichtig!
  • Handelt es sich um eine Staffelmiete?
  • Entspricht der Mietpreis dem örtlichen Mietspiegel? Diesen können Sie von einem Mieterverein erfahren.
  • Beinhaltet der Vertrag Klauseln? Eine Kündigungsausschlussklausel verpflichtet zum Beispiel, ohne Kündigung für eine gewisse Zeit in der Wohnung zu leben.
  • Handelt es sich um einen befristeten Mietvertrag?
  • Sind vorher festgestellte Mängel festgehalten?

Grundsätzlich sollte jeder Vertrag genau gelesen werden. Nimm dich in acht vor ungültigen Klauseln. Diese müssen nicht ausdrücklich im Vertrag gestrichen werden, sondern sind nach Gesetz ungültig. Im Zweifelsfall solltest du dich an den Deutschen Mieterschutzbund oder einen Fachmann wenden.

6. Tipps für die ersten Tage in der ersten eigenen Wohnung

Sind alle Hürden der Wohnungssuche und des Umziehens überstanden, ist man auch schon mit den nächsten Herausforderungen konfrontiert. Die Bequemlichkeiten des Elternhauses sind Vergangenheit und man muss sich selbst versorgen. Wichtig ist dabei, erst einmal die Grundlagen zu sichern. Nutze zum Befüllen des noch leeren Kühlschranks unsere Einkaufsliste nach dem Umzug und erstelle dir für alle weiteren Einkäufe Listen und Essenspläne zusammen.
Um bei der Adressänderung nichts zu vergessen, nutze am besten unsere Checkliste zur Adressänderung und damit die Post nicht weiterhin bei Mama und Papa ankommt, stelle einen Nachsendeauftrag.
Ganz wichtig ist natürlich auch, dass du dich rechtzeitig bei deinem zuständigen Einwohnermeldeamt meldest. Die übliche Frist beträgt hierbei zwei Wochen.

7. Checkliste für das Einrichten der ersten eigenen Wohnung

Ist der Umzug geschafft und sind alle Formalitäten endlich erledigt, fehlt nur noch die Einrichtung der Wohnung. Bevor man sich aber in die Dekoration stürzt, sollte für eine Mindestaustattung gesorgt werden. Damit du den Überblick nicht verlierst und auch nichts vergisst, haben wir eine praktische Checkliste für die Erstausstattung der ersten eigenen Wohnung erstellt.